GEHÖRLOSENKULTUR


Die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) ist eine linguistisch vollwertige und natürliche Sprache. 2005 wurde sie als eigenständige Sprache in der österreichischen Verfassung anerkannt. Sie besitzt eine eigene Grammatik und basiert auf dem manuell-visuellen Kanal, daher braucht sie die Hände, die Mimik, den Oberkörper, den Blick und die Kopfhaltung. Damit kann man abstrakte Sachverhalte und verschiedene Gefühle ausdrücken. Auffallender Unterschied zu den Lautsprachen ist, dass die Gebärdensprachen räumlich ablaufen: Personen und Orte können in einem Gespräch sozusagen in der Luft platziert werden. Mit der Pantomime kann man die Gebärdensprache überhaupt nicht vergleichen. Hier wird der ganze Körper (von Kopf bis Fuß) eingesetzt.

Bei der Gebärdensprache verwendet man nur den oberen Teil des Körpers. Das einhändige Fingeralphabet kommt zum Einsatz, wenn es für ein bestimmtes Wort keine Gebärde gibt. Dies kann bei Fremdwörtern oder Fachbegriffen der Fall sein. In der Gebärdensprache gibt es wie in der Lautsprache Dialekte, regionale ebenso wie nationale. Die Wiener Gebärdensprache ist etwas anders als die Tiroler Gebärdensprache, aber mann kann sie ganz gut verstehen. Auch muss klargestellt werden, dass die Gebärdensprache nicht international ist. Es gibt in jedem Land eine eigene Gebärdensprache (DGS), die Amerikan Sign Language (ASL).


In Tirol leben ca. 700 hörbehinderte Personen und ca. 1200 Menschen beherrschen die Gebärdensprache. Es gibt in Österreich viele Vereine, die verschiedene Veranstaltungen organisieren. Auch in Tirol gibt es ein paar solcher Vereine die dem Tiroler Landesverband der Gehörlosenvereine angeschlossen sind, zum Beispiel der Gehörlosenverein Innsbruck. Dieser wurde 1922 gegründet und ist der älteste Verein von Tirol.

Jeden Monat finden verschiedene Veranstaltungen und Treffen statt. Weihnachten und Muttertag wird ein Theaterstück in Gebärdensprache aufgeführt. Dieses Vereinsleben ist für die Hörbehinderten sehr wichtig, weil dort in der Gebärdensprache kommuniziert wird. Hier können sie Informationen austauschen, Neuigkeiten erzählen oder einfach gleichgesinnte Personen treffen. Diese Treffen können oft bis in die frühen Morgenstunden dauern.